Der horizontale Gentransfer stellt bei Bakterien einen wesentlichen Antrieb der Anpassung dar und ermöglicht den Erwerb neuer Funktionen, von Pathogenitätsinseln oder Antibiotikaresistenzen. Unter seinen natürlichen Mechanismen weist die genetische Transformation die Besonderheit auf, vollständig von der Empfängerzelle gesteuert zu werden: Diese fängt exogene DNA mit hohem Molekulargewicht ein, transportiert sie durch ihre Zellwand und Membran und integriert sie durch homologe Rekombination in ihr eigenes Chromosom. Diese Fähigkeit ist nur möglich, wenn das Bakterium in einen differenzierten Zustand namens Kompetenz eintritt. Bei *Bacillus subtilis*, einem seit Jahrzehnten untersuchten Modellorganismus der grampositiven Bakterien, beruht der Eintritt in die Kompetenz auf einem Signaltransduktionssystem, das zur Aktivierung von etwa hundert späten Genen durch den Regulator ComK führt. Doch trotz dieses Kenntnisstandes blieb die Identität des extrazellulären Faktors, der für den allerersten Schritt – die Bindung der DNA an die Oberfläche der kompetenten Zellen – verantwortlich ist, unbekannt. Frühere Arbeiten hatten lediglich festgestellt, dass der Pseudopilus dabei, im Gegensatz zu *Streptococcus pneumoniae*, keine Rolle spielt, wobei das zytoplasmatische Protein ComGA der einzige identifizierte unentbehrliche Faktor blieb.
Diese Studie identifiziert die Wandteichonsäuren (WTA), anionische Glykopolymere, die kovalent an das Peptidoglykan gebunden sind und mit zahlreichen kritischen Funktionen bei grampositiven Bakterien assoziiert werden, als Akteure dieses initialen Schritts. Der Ansatz kombinierte den Einsatz von auf die Zellwand abzielenden Antibiotika – insbesondere Tunicamycin, einem Inhibitor der WTA-Synthese – und die Fluoreszenzmikroskopie mit der Verfolgung der durch einen Fluorophor markierten exogenen DNA sowie der Lokalisierung der Oberflächenpolymere. Messungen der Transformationseffizienz, die auf der Auszählung tetracyclinresistenter Transformanten bezogen auf die Anzahl lebensfähiger Zellen beruhten, ergänzten diese Beobachtungen ebenso wie transkriptionelle Fusionen mit der Luciferase.
Die Autoren zeigen, dass kompetenzspezifische WTA in kompetenten Zellen produziert und subzellulär spezifisch lokalisiert werden. Dort gewährleisten sie die Bindung der DNA in der Nähe des Transformationsapparats, in der Umgebung der von ComGA gebildeten Cluster. Sie schlagen ferner vor, dass TuaH, eine mutmaßliche, während der Kompetenz induzierte Glykosyltransferase, diese WTA modifiziert, um die Bindung der DNA direkt oder indirekt zu begünstigen. Das daraus abgeleitete Modell unterscheidet vegetative WTA von kompetenzspezifischen WTA: Erstere, die an der Oberfläche nicht kompetenter Zellen vorhanden sind, behindern die Bindung der DNA, während Letztere, fein umgestaltet, hochaffine Bindungsstellen schaffen. Ausgehend von diesen Ergebnissen und dem vorhandenen Wissen stellt das Team so ein Modell der DNA-Bindung und des DNA-Transports im Verlauf der genetischen Transformation bei *B. subtilis* auf.