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Die anatomisch-pathologische Klassifikation AJCC/UICC-TNM, die auf der histologischen Beurteilung der Tumoren beruht, stellt heute den prognostischen Standard beim Kolonkarzinom dar, erweist sich jedoch als unzureichend, um den individuellen Verlauf der Patienten zuverlässig einzuschätzen. Zahlreiche Arbeiten haben gezeigt, dass das innerhalb des Tumors vorhandene Immuninfiltrat eine erstrangige prognostische Information liefert. Auf dieser Grundlage wurde der Immunoscore entwickelt, ein Test der digitalen Pathologie, der die Dichten von CD3+-T-Lymphozyten und zytotoxischen CD8+-T-Lymphozyten im Tumorzentrum und an dessen Invasionsrand quantifiziert und die Patienten in drei Risikokategorien einteilt: niedriger, intermediärer oder hoher Immunoscore. Während die internationale Validierung dieses Instruments beim Kolonkarzinom der Stadien I bis III bereits etabliert war, blieb seine Relevanz speziell in der asiatischen Population noch zu bestätigen.

Die Studie umfasste 423 asiatische Patienten mit einem Kolonkarzinom im Stadium I bis III aus Versorgungszentren in China, Indien und Japan, die ursprünglich in eine internationale Kohorte von 2681 Patienten unter der Leitung der Society for Immunotherapy of Cancer (SITC) eingeschlossen worden waren. Der Zusammenhang zwischen dem Immunoscore und der Prognose wurde für die Zeit bis zum Rezidiv (TTR), das krankheitsfreie Überleben (DFS) und das Gesamtüberleben (OS) mithilfe multivariater Cox-Modelle bewertet, die nach Zentrum stratifiziert und für Geschlecht, T-Stadium, N-Stadium, Tumorlateralität und MSI-Status adjustiert wurden.

Der Immunoscore stratifiziert die Patienten wirksam in unterschiedliche Risikokategorien, ohne Einfluss des Alters. Die Drei-Jahres-Raten des rezidivfreien Überlebens erreichen 78,5 %, 85,2 % und 98,3 % bei einem niedrigen, intermediären beziehungsweise hohen Immunoscore (HR niedrig vs. hoch = 7,26; p = 0,0064). Ein hoher Immunoscore ist signifikant mit einer Verlängerung von TTR, OS und DFS assoziiert. In der multivariaten Analyse bleibt der Zusammenhang mit der TTR unabhängig von den klinischen und anatomisch-pathologischen Parametern (HR niedrig vs. intermediär+hoch = 2,22; p = 0,0269). Dieser prognostische Effekt bestätigt sich in mehreren Subgruppen, insbesondere bei MSS-Tumoren und bei Patienten im Stadium II, einschließlich derjenigen mit niedrigem und hohem Risiko. Bemerkenswert ist, dass der MSI-Status selbst vom Immunoscore abhängig erscheint und das intratumorale Immunmilieu in dieser Population nicht durch das Alter verändert wird, was im Gegensatz zu früheren Beobachtungen steht.

Die Autoren erkennen als Limitation die Heterogenität einer aus drei großen Ländern stammenden Population an sowie eine unzureichende Fallzahl, um den Nutzen der Chemotherapie in Abhängigkeit von den Immunoscore-Kategorien präzise zu bewerten. Dennoch untermauert diese Studie den klinischen Nutzen des Immunoscore bei asiatischen Patienten mit Kolonkarzinom und bekräftigt seine Integration in die internationalen Empfehlungen und plädiert für seine Einführung in die klinische Routine.