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In den Industrieländern nimmt die Inzidenz von Autoimmunerkrankungen stetig zu und betrifft heute 5 bis 8 % der Bevölkerung. Diese Krankheitsfamilie umfasst mehr als 80 verschiedene chronische Erkrankungen, darunter der systemische Lupus erythematodes, das primäre Sjögren-Syndrom, die rheumatoide Arthritis und die Myasthenia gravis. Diese Erkrankungen treffen deutlich häufiger Frauen als Männer, sodass sie zu den wichtigsten Ursachen weiblicher Morbidität zählen. Sie resultieren aus einem Zusammenbruch der immunologischen Toleranzprozesse, die normalerweise in immunologischen Geweben wie dem Thymus und dem Knochenmark etabliert werden, um autoreaktive T-Lymphozyten zu erkennen und zu eliminieren. Wenn diese Kontrolle versagt, kann sich die adaptive Immunantwort entgleisen und gegen körpereigene Bestandteile richten.

Diese Übersichtsarbeit zielt darauf ab zu verstehen, warum Frauen davon besonders betroffen sind und welche Rolle die Umwelt bei der Auslösung der Erkrankung spielt. Die Entwicklung einer Autoimmunreaktion setzt das Zusammenwirken mehrerer Faktoren voraus: eine intrinsische Prädisposition (genetische Polymorphismen wie die Genotypen des Haupthistokompatibilitätskomplexes, Sexualhormone, Anomalien der Inaktivierung des X-Chromosoms), Störungen der immunregulatorischen Mechanismen (Defizite an regulatorischen T-Lymphozyten und an T-Helferzellen vom Typ 17) sowie eine Exposition gegenüber induzierenden Umweltfaktoren. Die epidemiologischen Studien und die Beobachtungen an monozygoten Zwillingen, die für diese Erkrankungen eine unvollständige Konkordanz aufweisen, bestätigen die Bedeutung dieser extrinsischen Komponente, zu der insbesondere Viren, die Mikrobiota und die Umweltverschmutzung gehören.

Die Autoren richten ihre Analyse auf das Östrogen, das weibliche Sexualhormon, das an der erhöhten Anfälligkeit der Frauen beteiligt ist, sowie auf die in der Umwelt vorhandenen Moleküle mit endokrin störenden Eigenschaften. Ein Teil der zellulären Wirkungen dieser Verbindungen, darunter die polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe und das Dioxin TCDD, könnte über den Aryl-Kohlenwasserstoff-Rezeptor (AhR) vermittelt werden. Die Übersichtsarbeit untersucht nacheinander die Wirkung dieser Moleküle auf die Homöostase der Thymuszellen, auf die intrinsischen Faktoren der immunologischen Toleranz (Transkriptionsfaktoren, epigenetische Marker) und auf deren extrinsische Faktoren (Mikrobiota, Anfälligkeit für Viren).

Indem diese Arbeiten die verschiedenen Analyseebenen zusammenführen, verdeutlichen sie den gemeinsamen Beitrag des Östrogens und der endokrinen Disruptoren zur Dysregulation der Mechanismen, die der Entwicklung von Autoimmunerkrankungen zugrunde liegen. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt darin, eine hormonelle Prädisposition und Umweltexpositionen explizit innerhalb eines einheitlichen Erklärungsrahmens miteinander zu verknüpfen, wobei der Thymus und die Toleranzprozesse in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt werden.