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Die Behandlung des metastasierten kolorektalen Karzinoms beruht üblicherweise auf der Annahme, dass die Metastasen eines einzelnen Patienten homogen sind. Doch trotz erheblicher chirurgischer und systemischer Fortschritte verhindern die aktuellen Therapien nicht ein Rezidiv- und Mortalitätsrisiko von über 50 % nach Resektion der Metastasen. Die klassischen klinisch-pathologischen Prognosefaktoren, wie der Tumorregressionsgrad (TRG), haben sich als unzureichend erwiesen, um den Krankheitsverlauf der Patienten korrekt vorherzusagen. In diesem Zusammenhang erscheint die Analyse der Immunreaktion innerhalb der Tumormikroumgebung als ein vorrangiger prognostischer Ansatz.

Diese Arbeiten stützen sich auf eine umfassende Analyse sämtlicher resezierter Metastasen der betreffenden Patienten, nämlich 338 Metastasen von 153 Patienten im Stadium IV, bei denen eine vollständige Metastasenresektion in kurativer Absicht durchgeführt wurde. Eine automatische Quantifizierung auf Whole-Slide-Scans ermöglichte es, die räumliche Verteilung der Immunzellen zu kartieren: Gesamt-T-Lymphozyten (CD3), zytotoxische (CD8), Gedächtnis- (CD45RO) und regulatorische (FOXP3) T-Lymphozyten sowie B-Lymphozyten (CD20). Die Infiltration erwies sich als nicht einheitlich, mit insgesamt höheren Dichten an der Invasionsfront. Vor allem waren die Metastasen eines einzelnen Patienten heterogen infiltriert und sprachen unterschiedlich auf die Behandlung an, was die Hypothese der Homogenität der metastatischen Erkrankung infrage stellt.

Sowohl der Grad der Immuninfiltration als auch deren Variabilität zwischen den verschiedenen Metastasen eines einzelnen Patienten erwiesen sich als entscheidend für das Überleben. Die am wenigsten infiltrierte Metastase erwies sich als besonders bedeutsam, vermutlich weil sie sich der immunologischen Elimination am stärksten entzieht und die Progression begünstigen kann. Der Immunoscore (CD3 und CD8) und der TB-Score (CD8 und CD20), bewertet an einer zufälligen metastatischen Biopsie oder im Mittel über sämtliche Metastasen, waren mit Rezidiv und Überleben assoziiert; ihre Bewertung innerhalb der am wenigsten infiltrierten Metastase sagte das Langzeitüberleben am genauesten voraus. In der multivariaten Analyse unter Einbeziehung der relevanten klinisch-pathologischen Faktoren blieb der Immunoscore der einzige statistisch signifikante Parameter für das krankheitsfreie Überleben und das Gesamtüberleben und übertraf dabei die histopathologischen Merkmale einschließlich des TRG.

Die Infiltration mit adaptiven Immunzellen erwies sich zudem als aussagekräftiger als die Tumorregression und das pathologische Ansprechen. Bemerkenswerterweise verlängerte ein dichtes adaptives Infiltrat das Überleben unabhängig vom Ansprechen auf die Behandlung, während Patienten mit gutem pathologischem Ansprechen, aber geringem Infiltrat ein kurzes Überleben aufwiesen. Als zertifizierter In-vitro-Diagnostiktest verfügbar, identifiziert der Immunoscore Patienten mit Rezidiv- und Mortalitätsrisiko, von frühen bis zum metastasierten Stadium. Diese Arbeiten unterstreichen seinen klinischen Nutzen und bekräftigen den Stellenwert der Immunantwort innerhalb der Tumormikroumgebung, die inzwischen als wesentliches diagnostisches Kriterium in die internationale Klassifikation der Verdauungstumoren aufgenommen wurde.