Brustkrebs bleibt weltweit die häufigste maligne Tumorerkrankung der Frau und stellt trotz der therapeutischen Fortschritte des letzten Jahrzehnts nach wie vor eine große Herausforderung für das öffentliche Gesundheitswesen dar. Das klinische Management dieser heterogenen Erkrankung stützt sich auf gut etablierte klinisch-pathologische Merkmale sowie auf molekulare Biomarker, darunter die Östrogen- und Progesteronrezeptoren sowie das Onkogen HER2. Die Einteilung in molekulare Subtypen (luminal, HER2-positiv, triple-negativ) leitet die therapeutischen Entscheidungen, doch Tumoren desselben Subtyps weisen weiterhin eine große Variabilität hinsichtlich Prognose und Therapieansprechen auf. Im Hinblick auf die Präzisionsmedizin ist die Identifizierung neuer prognostischer Biomarker daher notwendig, um jene Patientinnen zu erkennen, deren klinischer Verlauf ungünstig ist und die von personalisierten Therapien profitieren könnten.
Diese Übersichtsarbeit befasst sich mit dem Mikrotubuli-Zytoskelett, dessen Aufbau und Dynamik durch eine große Familie mikrotubuli-assoziierter Proteine reguliert werden. Einige dieser Proteine üben beim Brustkrebs eine onkogene Wirkung aus, andere eine tumorsuppressive. Die Autoren fassen den aktuellen Kenntnisstand zu den mikrotubuli-assoziierten Tumorsuppressoren (zusammengefasst unter dem Akronym MATS) zusammen und bewerten ihren potenziellen Wert als prognostische Biomarker. Mehrere dieser Proteine – insbesondere APC, ATIP3, BRCA1, CYLD, FHIT, LZTS1, Merlin/NF2, NAV3, RASSF1A und VHL – weisen eine gemeinsame Lokalisation innerhalb des Mikrotubuli-Netzwerks, am Zentrosom oder an der mitotischen Spindel auf und tragen in der Regel zur Stabilisierung der Mikrotubuli bei. Ihre Expression ist in primären Mammatumoren häufig vermindert, in je nach betrachtetem Protein unterschiedlichem Ausmaß, und resultiert aus Inaktivierungsmechanismen wie dem Verlust der Heterozygotie, der Hypermethylierung von Promotoren, der Regulation durch microRNAs oder einem posttranslationalen Abbau.
Einer der wesentlichen Beiträge dieser Übersichtsarbeit betrifft den Nutzen eines kombinatorischen Ansatzes. Die Autoren stellen aktuelle Arbeiten vor, die zeigen, dass die gemeinsame Betrachtung der Expression von ATIP3, einem Tumorsuppressor, und EB1, einem Protein mit onkogener Wirkung, die prognostische Vorhersage im Vergleich zur Verwendung jedes dieser Biomarker für sich allein verbessert. Durch die Einteilung der Tumoren nach den vier möglichen Kombinationen einer niedrigen oder hohen Expression dieser beiden Marker zeigt sich, dass Tumoren, die durch eine hohe Expression von EB1 und eine niedrige Expression von ATIP3 gekennzeichnet sind, eine ungünstigere Prognose aufweisen als alle anderen Gruppen (p < 0,05). Diese Beobachtungen werden im Hinblick auf die zunehmende Komplexität der von den mikrotubuli-assoziierten Proteinen gebildeten Proteinnetzwerke diskutiert, die die Dynamik und die Funktionen dieser Strukturen koordinieren. Die Autoren schlussfolgern, dass weitere Studien notwendig sind, um den prognostischen Wert der kombinierten Expression verschiedener mikrotubuli-assoziierter Tumorsuppressoren und ihrer Interaktionspartner beim Brustkrebs zu bewerten.