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Die histopathologische TNM-Klassifikation (AJCC/UICC), die auf der Beurteilung der Tumormerkmale beruht, liefert beim kolorektalen Karzinom eine nützliche, jedoch unvollständige prognostische Information. Zahlreiche Arbeiten haben den prognostischen Wert der den Tumor infiltrierenden adaptiven Immunzellen aufgezeigt: Die In-situ-Dichte dieser Zellen, gemessen im Tumorzentrum und an der Invasionsfront, korreliert mit dem Überleben der Patienten, und eine Anreicherung an zytotoxischen CD8+-T-Lymphozyten ist mit einer günstigen Prognose assoziiert. Auf dieser Grundlage wurde der Immunoscore (IS) entwickelt, ein quantitativer digitalpathologischer Test zur Beurteilung der Immunantwort, der inzwischen als robuster Immunklassifikator zur Abschätzung des Rezidivrisikos anerkannt ist. Die vorliegende Studie untersucht die Reproduzierbarkeit der visuellen Beurteilung durch Pathologen an CD3+- und CD8+-markierten Kolontumoren im Vergleich zur Quantifizierung mittels IS.
Eine internationale Gruppe von zehn erfahrenen Pathologen beurteilte 540 Bilder aus 270 zufällig ausgewählten Fällen von Kolonkarzinomen. Die Übereinstimmung zwischen dem von den Pathologen visuell ermittelten T-Score, den entsprechenden Hämatoxylin-Eosin-gefärbten Schnitten und dem digitalen IS wurde nach einer Klassifikation in zwei Kategorien (hoch, niedrig) und in drei Kategorien (hoch, intermediär, niedrig) analysiert, und zwar vor und nach einer Schulung anhand von zwölf Referenzfällen an den klinischen Grenzwerten.
Die Ergebnisse zeigen eine erhebliche Diskrepanz. Nicht übereinstimmende T-Scores zwischen den Pathologen wurden in über 92 % der Fälle berichtet, und 26 % der Fälle waren stark diskrepant, wobei ein und derselbe Schnitt je nach Beobachter als niedrig, intermediär oder hoch eingestuft wurde. Die Diskrepanz zwischen der semiquantitativen visuellen Beurteilung und dem IS-Referenzwert betraf 91 % der Fälle vor der Schulung und 96 % danach. Die Schulung brachte keinerlei Verbesserung: Bei 42 % der Fälle wurde der T-Score verändert, doch die Übereinstimmungsindizes blieben niedrig (Kappa von 0,465 und 0,374). Bei den 20 % der Patienten im Bereich der Entscheidungsgrenzwerte wurde keinerlei Übereinstimmung beobachtet (alle Kappa-Werte unter 0,12). Die Autoren erklären diese schlechte Reproduzierbarkeit mit der beträchtlichen Größe der Kolontumoren, der Heterogenität der Verteilung der CD3+- und CD8+-Zellen — mit durchschnittlich 88 000 CD3+-T-Lymphozyten pro Schnitt — sowie dem inhärent subjektiven Charakter einer visuellen Schätzung.
Die Autoren betonen die klinischen Folgen einer solchen Fehlklassifikation: Über- oder Unterbehandlung von Patienten im Stadium II und III, unangemessene Nachsorge und Exposition gegenüber unnötiger Toxizität. Sie schließen daraus, dass der standardisierte IS-Test die Beurteilung durch erfahrene Pathologen im klinischen Kontext übertrifft und dass die quantitative digitale Pathologie ein neues Instrument für eine reproduzierbare und quantitative Beurteilung der den Tumor infiltrierenden Immunzell-Subtypen darstellt.