Das Kolonkarzinom im Stadium III, das gemäß der TNM-Klassifikation durch den Befall der regionalen Lymphknoten definiert ist, weist ein von Patient zu Patient unterschiedliches Rezidivrisiko auf. Die klassischen histopathologischen Parameter reichen nicht immer aus, um den Verlauf vorherzusagen oder die Entscheidung über eine adjuvante Chemotherapie zu lenken. Die Dichte der tumorinfiltrierenden Lymphozyten stellt einen anerkannten prognostischen Faktor dar: Der Immunoscore, ein standardisiertes Maß, das auf der Quantifizierung der CD3+ T-Lymphozyten und der zytotoxischen CD8+ T-Lymphozyten im Tumorzentrum und an seinem invasiven Rand beruht, zielt gerade darauf ab, diese immunologische Information in die Beurteilung der Patienten einzubeziehen.
Diese internationale Studie, die unter der Schirmherrschaft der Society for Immunotherapy of Cancer durchgeführt wurde, bewertete den Konsens-Immunoscore bei 763 Patienten mit einem Kolonkarzinom im Stadium III, die auf zwei Kohorten (Kanada/USA und Europa/Asien) verteilt waren. Die Lymphozytendichten wurden mittels digitaler Pathologie quantifiziert. Der primäre Endpunkt war die Zeit bis zum Rezidiv; die sekundären Endpunkte umfassten das Gesamtüberleben, das krankheitsfreie Überleben, die Prognose bei Patienten mit mikrosatellitenstabilem Status sowie den prädiktiven Wert für die Wirksamkeit der Chemotherapie.
Patienten mit einem hohen Immunoscore wiesen in beiden Kohorten das geringste Rezidivrisiko auf. Die rezidivfreien Überlebensraten nach drei Jahren erreichten jeweils 56,9 %, 65,9 % und 76,4 % für niedrige, intermediäre und hohe Immunoscores (Hazard Ratio hoch gegenüber niedrig: 0,48; P = ,0003). Ein hoher Immunoscore war signifikant mit einer Verlängerung der Zeit bis zum Rezidiv, des Gesamtüberlebens und des krankheitsfreien Überlebens assoziiert (alle P < ,001). In der nach Zentrum stratifizierten multivariaten Cox-Analyse blieb dieser Zusammenhang unabhängig von Geschlecht, T-Stadium, N-Stadium, Lateralität und Status der Mikrosatelliteninstabilität (HR: 0,41; P = ,0003). Er blieb auch bei den ausschließlich mikrosatellitenstabilen Patienten signifikant (HR: 0,36; P = ,0003). Unter allen Variablen leistete der Immunoscore den stärksten Beitrag zum Einfluss auf das Überleben. Die Chemotherapie war in der Gruppe mit hohem Immunoscore signifikant mit dem Überleben assoziiert, sowohl bei Patienten mit niedrigem Risiko (HR Chemotherapie gegenüber keiner: 0,42; P = ,0011) als auch bei jenen mit hohem Risiko (HR: 0,5; P = ,0015), im Gegensatz zur Gruppe mit niedrigem Immunoscore (P > ,12).
Diese Arbeit belegt, dass ein hoher Immunoscore signifikant mit einem verlängerten Überleben beim Kolonkarzinom im Stadium III assoziiert ist. Sie legt darüber hinaus nahe, dass Patienten mit einem hohen Immunoscore diejenigen sind, die hinsichtlich der Verringerung des Rezidivrisikos am meisten von der Chemotherapie profitieren.