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Im Verlauf der Evolution hat das aus der Amygdala und dem medialen präfrontalen Kortex gebildete Hirnnetzwerk in den Abstammungslinien der Altweltaffen und des Menschen unterschiedliche strukturelle Umgestaltungen erfahren. Dieses Netzwerk spielt eine zentrale Rolle bei der Verhaltensanpassung: Angesichts einer unsicheren Umgebung muss das Individuum rasch saliente Informationen erkennen – Interaktionen mit Artgenossen, Verfügbarkeit von Ressourcen, Vorhandensein einer Gefahr –, während es zugleich seinen eigenen inneren Zustand integriert, sei er emotionaler, motivationaler oder physiologischer Natur. Sowohl die Amygdala als auch der mediale präfrontale Kortex sind heterogene Strukturen: Die Amygdala umfasst mehrere miteinander verbundene Kerne (lateral, basolateral, basomedial und zentral), während der mediale präfrontale Kortex ventromediane und zinguläre Regionen enthält, die an der Bewertung von Reizen und der Überwachung von Entscheidungen beteiligt sind. Bemerkenswerte strukturelle Unterschiede trennen die beiden Spezies: Beim Menschen ist die Amygdala zehnmal so groß wie beim Makaken, was großenteils auf eine Expansion des lateralen Kerns zurückzuführen ist, und auch die kortikalen Regionen an der Schnittstelle zwischen ventromedianem Kortex und mittlerem zingulärem Kortex haben sich weiterentwickelt. Offen blieb, ob und wie sich diese anatomischen Umgestaltungen in einer unterschiedlichen funktionellen Organisation niederschlagen.

Um diese Frage zu beantworten, griffen die Autoren auf die funktionelle Magnetresonanztomographie im Ruhezustand zurück, eine speziesübergreifend reproduzierbare Methode, und untersuchten zwanzig wache menschliche Probanden sowie drei wache Makaken. Die Wahl des Wachzustands ist wichtig, da eine Anästhesie die funktionelle Konnektivität innerhalb des frontalen Kortex verändert. Die Analyse befasste sich mit der ipsilateralen funktionellen Konnektivität zwischen den vier wichtigsten Amygdalakernen, die als Quellregionen dienten, und sechzehn Regionen des medialen präfrontalen Kortex, die sorgfältig anhand von sulkalen Landmarken jedes einzelnen Probanden positioniert und an die jeweilige Größe des einzelnen Gehirns angepasst wurden, um verhältnismäßige Vergleiche zu gewährleisten.

Beim Menschen zeichnet die Konnektivität zwischen Amygdala und medialem präfrontalem Kortex ein rostro-kaudales U-förmiges Profil entlang des Corpus callosum: positiv mit dem ventromedianen präfrontalen Kortex und dem anterioren zingulären Kortex, negativ mit dem vorderen Teil des mittleren zingulären Kortex und dann erneut positiv mit dessen hinterem Teil. Beim Makaken ist zwar ebenfalls eine U-förmige Organisation zu beobachten, doch ist die negative Konnektivität weiter ventral verlagert, an die Übergangszone zwischen ventromedianem Kortex und anteriorem zingulärem Kortex. Die Autoren zeigen zudem, dass dieses Profil von sämtlichen Amygdalakernen getragen wird und dass der physische Abstand zwischen den Regionen nicht die Stärke der Konnektivität vorhersagt.

Diese Divergenz in der funktionellen Organisation des Netzwerks aus Amygdala und medialem präfrontalem Kortex zwischen Mensch und Makaken könnte dazu beitragen, die Unterschiede in den Fähigkeiten zur Verhaltensanpassung zu erhellen, die für die jeweiligen sozioökologischen Nischen der beiden Spezies charakteristisch sind.