Impfstoffe zählen zu den wirksamsten Maßnahmen des öffentlichen Gesundheitswesens in der Geschichte der Medizin. Die Vakzinologie hat ihre Konzeption, ihre Bewertung und ihren Einsatz zum Gegenstand sowie das Verständnis der Immunantworten, die sie hervorrufen. Die jüngsten Innovationen – mRNA-Impfstoffe, neue Adjuvanzien, Vektoren und Verabreichungssysteme – haben das Fachgebiet tiefgreifend erneuert und dabei eine entscheidende Frage in den Vordergrund gerückt: Wie erzeugt eine Impfung ein dauerhaftes und schützendes immunologisches Gedächtnis?
Genau dieser Frage widmen sich die Arbeiten, zu denen Inovarion beigetragen hat. Das Labor hat sich an der Untersuchung des durch die mRNA-Impfung gegen SARS-CoV-2 induzierten B-Zell-Gedächtnisses beteiligt und dabei gezeigt, wie dieses Gedächtnis die aufeinanderfolgenden viralen Varianten erkennt und im Laufe der Zeit an Affinität gewinnt[2]. Diese Analyse betraf sowohl naive geimpfte Personen als auch zuvor infizierte Personen und beleuchtete die Komplementarität zwischen natürlicher und impfvermittelter Immunität. Weitere Arbeiten haben das sehr langfristige B-Zell-Gedächtnis gegen Pocken charakterisiert, mehrere Jahrzehnte nach der Impfung, und dabei die Rolle der dauerhaften Prägung der Keimzentren und der Milznische für dessen Aufrechterhaltung[1] aufgezeigt; die Telomerlänge und der NOTCH-Signalweg erscheinen dabei als Marker der Langlebigkeit dieser Gedächtniszellen. Eine dritte Arbeit hat einen rekombinanten Virusvektor (rAAV2/1) bewertet, der kutan verabreicht wird, als Immunisierungsplattform, die in der Lage ist, residente Gedächtnis-CD8-T-Zellen in der Haut[3] zu induzieren.
Diese Forschung beruht auf der Einzelzellsequenzierung, der Analyse des Antikörper-Repertoires, viralen Neutralisationstests und der Biolayer-Interferometrie sowie auf der intradermalen Immunisierung. Diese Arbeiten erschienen in führenden Fachzeitschriften – Immunity, Journal of Virology und Cell.
Der Beitrag von Inovarion in der Vakzinologie liegt somit in der feinen Charakterisierung der impfinduzierten Immunantworten – Dauerhaftigkeit, Qualität und Umfang des induzierten Gedächtnisses – eher als in der Formulierung der Impfstoffe selbst. Es handelt sich um eine ergänzende und entscheidende Expertise: Zu verstehen, warum manche Antworten Jahrzehnte bestehen bleiben, während andere verblassen, ist wesentlich für die Konzeption von Auffrischungsstrategien. Genau diese Beherrschung der Immunanalyse erlaubt es, den durch die Impfung verliehenen Schutz zu messen und zu verstehen.
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Repräsentative Publikationen
- Chappert et al. Human anti-smallpox long-lived memory B cells are defined by dynamic interactions in the splenic niche and long-lasting germinal center imprinting. Immunity, 2022. Eintrag → · PubMed
- Sokal et al. mRNA vaccination of naive and COVID-19-recovered individuals elicits potent memory B cells that recognize SARS-CoV-2 variants. Immunity, 2021. Eintrag → · PubMed
- Gross et al. Cross-Presentation of Skin-Targeted Recombinant Adeno-associated Virus 2/1 Transgene Induces Potent Resident Memory CD8(+) T Cell Responses. J Virol, 2019. Eintrag → · PubMed