Der Immunoscore ist ein standardisiertes Maß der T-Lymphozyten-Infiltration eines Tumors – Dichten der CD3+- und CD8+-Zellen im Tumorzentrum und am Tumorrand, quantifiziert durch Immunhistochemie und digitale Pathologie. Er wandelt die „Immunkontextur“ in einen reproduzierbaren Score mit prognostischem und prädiktivem Wert um, komplementär zur klassischen histopathologischen TNM-Klassifikation.
Prinzip und Ablauf
Ausgehend von Tumorschnitten werden die Marker CD3 und CD8 durch Immunhistochemie detektiert; die Objektträger werden digitalisiert, dann werden die Zelldichten in zwei Schlüsselregionen automatisch quantifiziert – dem Tumorzentrum und dem invasiven Rand. Diese Dichten werden in einen kategorialen Score umgewandelt, vom niedrigsten bis zum höchsten. Was den Immunoscore von einer bloßen Zählung infiltrierender Lymphozyten unterscheidet, ist gerade seine Standardisierung: Antikörper, Schwellenwerte, Algorithmen und Qualitätskontrolle sind so definiert, dass das Ergebnis reproduzierbar und von einem Zentrum zum anderen vergleichbar ist.
Varianten und Optionen
Über das CD3/CD8-Paar hinaus integrieren erweiterte Scores weitere Populationen (B-Lymphozyten, Gedächtniszellen) oder kombinieren den Immunoscore mit patho-molekularen Parametern wie dem Mikrosatelliteninstabilitäts-Status (MSI) oder der Mutationslast. Der Index wurde in mehreren Tumorlokalisationen bewertet und war Gegenstand dedizierter Studien zur Interobserver- und Interzentren-Reproduzierbarkeit, ein unerlässlicher Schritt für den klinischen Einsatz.
Wann und warum diese Technik
Der Immunoscore liefert eine prognostische Information, die weitgehend unabhängig von der TNM ist, und hilft, den Nutzen einer adjuvanten Chemotherapie vorherzusehen – nützlich zum Beispiel, um Patienten mit einem Kolonkarzinom im Stadium III zu stratifizieren.
Einige Vorbehalte begrenzen seine Reichweite. Es ist ein Gewebe-Biomarker: Er erfordert einen resezierten Tumor guter Qualität und eine beherrschte präanalytische Kette. Seine Robustheit beruht vollständig auf einer strengen Standardisierung (Färbung, Digitalisierung, Bildanalyse): Die optische Bewertung am gewöhnlichen Objektträger ist zu diskordant, und die digitale Pathologie ist für eine reproduzierbare Messung unerlässlich. Er misst eine präzise Dimension – das zytotoxische T-Infiltrat (CD3/CD8) – und versteht sich als Ergänzung, nicht als Ersatz der TNM-Klassifikation und der etablierten Marker; sein Wert wurde zunächst in bestimmten Lokalisationen etabliert, dem Kolonkarzinom an erster Stelle.
Die Expertise von Inovarion
Die Wissenschaftler von Inovarion haben seit Langem zur Validierung des Immunoscore in internationalen multizentrischen Studien beigetragen. Diese Arbeiten haben die klinische Leistung des Konsens-Immunoscore zur Vorhersage des Überlebens und der Reaktion auf die Chemotherapie beim Kolonkarzinom im Stadium III (SITC-Studie, 763 Patienten in zwei Kohorten) etabliert und seinen Wert in der asiatischen Population bestätigt. Diese translationale Expertise verbindet die Laborbank mit der klinischen Entscheidung: Standardisierung der Färbungen, automatisierte Quantifizierung durch digitale Pathologie, Interzentren-Robustheit und Assoziation mit den patho-molekularen Parametern (MSI). Inovarion begleitet die Konzeption, die Durchführung und die Validierung von Immunsignaturen an Kohorten, vom Gewebe bis zur statistischen Analyse.
Siehe auch: Immunhistochemie & multiplexe Immunfluoreszenz (zugrunde liegende Technik).
Wichtige Publikationen
- Mlecnik et al. Multicenter International Society for Immunotherapy of Cancer Study of the Consensus Immunoscore for the Prediction of Survival and Response to Chemotherapy in Stage III Colon Cancer. Journal of Clinical Oncology, 2020. Eintrag → · PubMed
- Mlecnik et al. Clinical Performance of the Consensus Immunoscore in Colon Cancer in the Asian Population from the Multicenter International SITC Study. Cancers (Basel), 2022. Eintrag → · PubMed